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17.05.2017  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Robin Brecht
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Spreadlove – auch am Tag gegen Homophobie!


Heute ist »Welttag gegen Homophobie«. Zeit, nochmal an die wunderbare »Spreadlove«-Aktion von Emrah aus dem Lausbub Tattoo Kollektiv zu erinnern, die wir euch vor einiger Zeit vorgstellt haben. Denn wir sagen: #stophomophobie, #spreadlove!


Das Video zur Spreadlove-Aktion:


 

»Ich will nicht hinnehmen, dass alle so hasserfüllt sind!«


Als wir in Heilbronn vor der Haustür des Lausbub Tattoo Kollektivs ankommen, ahnen wir noch nicht, dass wir bald Zeuge einer ganz besonderen Tattooaktion werden. An diesem grauen, schneeregnerischen Samstag im Januar luden Lausbub-Inhaber Emrah und seine Crew in sein toll gestaltetes Loft-Studio ein, um einen ganzen Tag lang Liebe unter die Haut und raus in die Welt zu bringen. Okay, etwas weniger pathetisch ausgedrückt fand in Emrahs Studio im ersten Stock der unscheinbaren Industrie-Immobilie zwischen Konsumriese und Babydiscount der Spreadlove-Aktionstag statt – mit sehr großem Andrang. 

 

Emra beim Tätowieren des Schriftzuges.
 
Hintergrund der Aktion, bei der Emrah gemeinsam mit vier weiteren Tätowierern einen Tag lang ausschließlich einen schwarzen Schriftzug stach – 84 Stück waren es am Ende des Tages – ist folgender: »Mir fiel einfach auf, dass so viele Menschen Hass in sich tragen, das brachte mich zum Grübeln. Ich will es einfach nicht hinnehmen, dass alle gerade so wütend und hasserfüllt sind. Ich wusste, ich muss da was unternehmen, gegensteuern. Die Spreadlove-Idee entstand dann an meinem Geburtstag. Einen Tag vorher fand die Präsidentschaftswahl in den USA statt. Obwohl ich das bis zum Schluss nicht groß verfolgte, war ich dann doch erstaunt, wie viele Menschen jemanden unterstützen, der solche Sachen von sich gibt. Danach habe ich mich selbst tätowiert«, erzählt der Kopf hinter der Spreadlove-Aktion.
 
Seit November und noch das ganze Jahr 2017 lang werden die beiden Lausbuben Emrah und Steve nun jedem Kunden den schwarzen schwungvollen Spreadlove-Schriftzug stechen, der ohnehin zum Tätowieren im Kollektiv vorstellig ist – sofern der Kunde das wünscht und gerne bei der Aktion mitmachen möchte. »Ich dachte mir, die Nadeln und die Farbe sind dann doch eh draußen. Für mich ist das keine wirkliche Mehrarbeit, aber der Effekt ist doch toll«, erklärt Emrah mir plausibel. Sein Anliegen war es außerdem, dass noch weitere Studios an der Aktion teilnehmen und die Vorlage tätowieren. Das klappte. Mittlerweile hat Emrah sogar den Überblick verloren, wer alles mitmacht. Es sind auf jeden Fall sehr viele Kollegen – auf der Welt verstreut. Das Spreadlove-Design von Emrah gegen Hass und Intoleranz wird sogar in Venezuela tätowiert. Bis heute haben die beiden Lausbuben allein bereits 152 Mal Liebe verteilt und das Jahr ist noch jung. 

Auch Redakteurin Jula reiht sich in die Bewegung ein und ließ sich den Schriftzug tätowieren.
 
Die Aktion kommt nicht nur bei Emrahs Kunden sehr gut an und ist, allein schon, wenn man den Facebook-Newsfeed betrachtet, ein schöner Hoffnungsschimmer. Auch wir nehmen die Ressentiments wahr und dachten uns, die Sache ist jede Unterstützung wert. Außerdem waren wir neugierig, wer sich die Botschaft tätowieren lässt, und wollten nach den Gründen fragen. Jeder hatte so seine ganz eigenen, persönlichen Gründe – sie reichten vom Zeichen gegen Homophobie und Rassismus über den Umgang mit der eigenen Angst vorm immer näher rückenden Terror. Das Schöne? Niemand der Menschen, die mir begegneten, machte den Eindruck, als wollten sie hier nur was abgreifen. Der mir gewährte Einblick fühlte sich echt an und ich genoss den positiven Vibe, der im Lausbub Tattoo Kollektiv herrschte. Wildfremde Menschen unterschiedlichsten Alters, Couleur oder Herkunft hatten an diesem Tag etwas gemeinsam: Den Wunsch, sich für Liebe, Toleranz, Gleichstellung und ein positives Miteinander stark zu machen – wenn auch die Beweggründe jedes Einzelnen ganz unterschiedlich waren.

Sie alle möchten Teil der Spreadlove-Bewegung werden, die unaufhörlich wächst. Das Bedürfnis, ein schönes Zeichen zu setzen in Zeiten, in denen alles etwas kälter geworden ist, treibt sie dazu.
 
Die Aktion von Emrah und die Resonanz darauf im Netz oder beim Aktionstag selbst machen für einen Moment lang Mut. Man kann heute sicher nicht häufig genug ein Zeichen setzen und dem geschürten Hass, dessen Nährboden oft aus Angst und Lügen besteht, eine Grimasse schneiden. »Das Allerbeste ist, dass die Aktion für so viel Gesprächsstoff gesorgt hat und viele Menschen zusammengebracht hat, die auch Positives wollen und sich mit der aktuellen Situation auseinander- setzen«, freut sich Emrah.

 

Text: Jula Reichard
Bilder: Robin Brecht

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Ausgabe 10/17 erscheint am 29. September

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