Katzenmotive im japanischen Volksglauben

20.05.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TM
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Katzenmotive im japanischen Volksglauben
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Katzen (japanisch: neko) spielen in Japan vor allem im Volksglauben eine große Rolle. Ihnen wird die Fähigkeit zugeschrieben, gestaltwandlerische Fähigkeiten zu haben und sich in böse Dämonen verwandeln zu können. Diese sogenannten Yokai inspirierten vor allem in der Edo-Zeit viele Holzschnittkünstler. Aber es gibt auch Glücksbringer wie die Maneki Neko und die als beschützendes Geistwesen verehrte Nekogami.

Maneki Neko

Die Winkekatze ist in Europa sicherlich die bekannteste japanische Katzenfigur. Maneki Neko wird im deutschen Sprachraum als Winkekatze, im englischen als Glückskatze (The Lucky Cat) bezeichnet. Maneki Neko bedeutet aber eigentlich »bettelnde Katze«. Die Geste des Bettelns wird im Japanischen mit der Handfläche nach unten dargestellt, anders als im Westen, wo der Bettler die Handfläche nach oben hält. 
Der gesenkte Arm der Maneki Neko hält meist eine Goldmünze fest, damit wird auch ihre Verbindung zum Geld klar. Ihr bevorzugter Platz: In Geschäften steht sie auf der Theke neben der Kasse und »winkt« das Geld beziehungsweise die Kunden herein.
Als Accessoires trägt die Maneki Neko meist ein an einem Halsband befestigtes Glöckchen und ein Lätzchen um den Hals, was ein Verweis auf die in Japan seit der Edo-Periode (1603-1868) fürsorglich geliebten und gehegten Hauskatzen darstellt.   
 

Kasha

Das Wort »Kasha« setzt sich aus den Schriftzeichen für Feuer und Wagen zusammen, kann also mit Feuerwagen übersetzt werden. Der Ursprung des Kasha liegt in der Kamakura-Periode (1185-1333), als einige Buddhisten glaubten, ihre Lebenszeit sei abgelaufen und die Endzeit nah. Ihre Sorge galt der Erlösung der Seelen durch Amida Buddha. Dies führte zu einer speziellen Kunstform, den sogenannten Höllenrollen, in denen die Qualen dargestellt wurden, die diejenigen zu erleiden haben, die ihr Leben nicht im Sinne Buddhas genutzt haben. Die meisten Bilder zeigten mit Menschen beladene, brennende Karren, die meist von Onis (Dämonen) gezogen wurden. 
Während der Edo-Periode wurden diese Darstellungen wieder populär, zahlreiche Geschichten kamen auf, die alle dem gleichen Schema folgten: Ein brennender Wagen kommt und holt diejenigen ab, die während ihres Lebens viele Missetaten begangen haben.
Zur Katze wurde der brennende Wagen durch den Künstler Toriyama Sekien. Für sein Buch über Dämonen im Jahr 1776 zeichnete er einen Kasha in Form eines bizarren Katzendämons, der von Flammen umhüllt ist. Warum er das tat, ist nicht bekannt, aber es war für seine Arbeit nicht unüblich, dass er seine Fantasie in die folkloristischen Vorstellungen einfließen ließ. Die Arbeiten von Toriyama Sekien wurden so populär, dass sich als Folge dieser Abbildung eigenständige Geschichten zum katzenartigen Kasha entwickelten. Meist handelten sie von einer Beerdigung, bei der ein Kasha den Leichnam entführt. Der Kasha hat sich also vom brennenden Wagen zu einem fleischfressenden Tierdämonen in Katzengestalt entwickelt.
Zu einem Kasha, so der Volksglaube, sollen sich entweder sehr alte Katzen verwandeln können oder solche, die mit dem Leichnam eines kürzlich Verstorbenen im Haus lebten. Die Angst vor einem Kasha soll so groß gewesen sein, dass bei einem Todesfall die Katzen aus dem Haus verbannt wurden
 

Nekomata

Die Übersetzung des Begriffs Nekomata ist schwierig und kann unter anderem mit »Die Katze mit dem gespaltenen Schwanz« oder auch »Die wiedergeborene Katze« (ein Ausdruck, der sich auf das zweite Leben einer Katze als eine Nekomata bezieht) wiedergegeben werden. Die Nekomata ist ein Dämon aus den japanischen Volkssagen, vermutlich tauchte sie erstmals in der Kamakura-Periode (1185-1333) auf. Ursprünglich wird sie als eine tief in den Bergen lebende, gefürchtete Bestie beschrieben, die im Ruf stand, Menschen anzufallen, zu töten und zu fressen. 
Wie im Volksglauben üblich, veränderte sich die Nekomata mit den Jahren und wurde immer größer. Die wahre Wandlung erfuhr sie zur Mitte der Edo-Zeit, als die Vorstellung aufkam, dass die Nekomata sich aus einer sehr alten Hauskatze entwickeln würde. Genährt wurde diese Vorstellung von den beiden literarischen Werken von Yusoku Kojitsu and Ise Fudatake (Ansei Zuihitsu und Kazusai no Neko), worin beschrieben wird, dass die Transformation in einen bösartigen Dämon mit der Teilung des Schwanzes beginnt. 
Eine der berühmtesten Erwähnungen der Nekomata findet sich in der 1708 von Yamato Kaiiki veröffentlichten Geschichte »Das Nekomata Feuer«. Sie handelt von einem Samurai, dessen Haus von einem poltergeistähnlichen Eindringling beherrscht wird – ein Spuk, der erst endet, als die Familie ihre alte Hauskatze tötet und dabei entdeckt, dass sie zwei Schwänze hat.


Bakeneko

Monsterkatze, Geisterkatze: Für die Bakeneko gibt es einige Übersetzungen, die zutreffendste ist wohl »Wandelkatze«. Ähnlich wie die Nekomata ist die Bakeneko eine Hauskatze, die sich in hohem Alter entweder in eine menschliche Gestalt verwandeln kann oder die ihren Katzenkörper behält, aber wie ein Mensch spricht und Menschenkleidung trägt. Nach mancher Legende bindet sich die Bakeneko in Katzengestalt ein Tuch um ihren Kopf und kann auf den Hinterbeinen tanzen. Wegen ihrer gestaltwandlerischen Fähigkeiten wird sie als Dämon angesehen, der mit übernatürlichen Kräften ausgestattet ist, die ihn in die Lage versetzen, die Erscheinung zu verändern.
Der Ursprung dieser Vorstellung scheint sehr eindeutig. Katzen waren nicht schon immer in Japan heimisch, sondern sie wurden nach Japan importiert, um dort als Hauskatze und Rattenfänger zu leben. Ernährt wurden sie von Küchenabfällen. Da die Menschen selbst wenig Fleisch oder Fisch zu sich nahmen, fehlte den Katzen das für ihre Ernährung notwendige Protein, das sie sich aus den mit Fischöl gefüllten Öllampen holten. Sie sollen sich auf die Hinterbeine gestellt und das Öl aus den Lampen geleckt haben. Der menschengroße Schatten, den die auf den Hinterbeinen stehenden Katzen im Schein der Lampe warfen, bildet wahrscheinlich den Ursprung für die Vorstellung, dass Katzen Menschengestalt annehmen konnten, sich also in Bakeneko verwandeln. 
Wie über die Nekomata auch, wird über Bakeneko gesagt, dass es sich um Katzen handle, die sehr alt wurden. Der wichtigste Unterschied ist der, dass Bakeneko menschliche Gestalt annehmen können. Auch können sie dem Volksglauben nach in den Leichnam eines kürzlich verstorbenen Menschen schlüpfen und in dieser Hülle ihr Unwesen treiben. Enttarnt werden kann eine Bakeneko in Frauengestalt dadurch, dass man ihr einen lebenden Fisch oder eine Maus vorsetzt. 


Nekogami

Eine Nekogami ist eine Kami, also eine als Geistwesen verehrte Katze des japanischen Shinto-Glaubens. Ihr positives Image erlangten sie in der Edo-Periode, da Katzen sowohl die Nahrungsvorräte als auch die Seidenraupenzucht vor Mäusen und Ratten schützten. Gerade in der Präfektur Miyagi, einem einstigen Zentrum der Seidenraupenzucht, finden sich noch heute viele Shinto-Schreine, die einer Katzengottheit gewidmet sind. Die Nekogami werden dort als die Beschützer der Hauskatzen verehrt und um das Wohlergehen des Stubentigers gebeten.

 
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Stand:20 November 2017 12:54:20/blog/katzenmotive+im+japanischen+volksglauben_174.html